Elektroantrieb oder synthetisches Benzin?

Elektroantrieb oder synthetisches Benzin?

Elektroantrieb oder Benzin. Ein längst bekannter Treibstoff – das synthetische Benzin – könnte dem Boom der Elektrifizierung möglicherweise Konkurrenz machen, oder eher nicht? Diese Frage versuchen wir heute zu klären und stellen Ihnen dabei auch gleich den Benzin-Ersatztreibstoff etwas genauer vor.

Elektroantrieb oder Benziner?

Derzeit erleben wir ja einen anhaltenden Trend zur Elektrifizierung in der Automobilbranche. Lange absolut „stiefmütterlich“ behandelt, zaubern immer mehr Hersteller nun entsprechende Elektrofahrzeuge aus dem Hut.

Mitsubishi Outlander PHEV Testbericht
Mitsubishi Outlander PHEV Testbericht

Was Elon Musk mit seinen TESLA-Elektrofahrzeugen vor mehr als 10 Jahren begann, scheint nun langsam aber nachhaltig zum neuen Standard in der Antriebstechnologie zu werden. Viele von Ihnen stellen sich vielleicht genau jetzt auch die Frage, ob Sie auf ein elektrisch betriebenes Fahrzeug umsteigen sollen. Die Zeit scheint nun ja reif zu sein.

Dagegen steht derzeit aber immer noch der Reichweitenaspekt. Kein elektrisch angetriebenes Fahrzeug erreicht bis heute die Fahrleistung eines gut ausgewogenen Verbrenners oder sogar Dieselfahrzeuges. Hier sind Reichweiten von 800 und mehr Kilometer inzwischen an der Tagesordnung. Viele der Verbrennerfahrzeuge laufen sogar mehr als 1000 Kilometer mit einer Tankfüllung. Daneben spielt auch noch der derzeit günstige Benzin- oder Dieselpreis eine große Rolle. Warum also sollte man auf die auch nicht immer wirklich nachhaltig produzierten Elektrofahrzeuge ausweichen.

Synthetisches Benzin als Lösung?

Viele können mit dem Begriff „synthetisches Benzin“ vielleicht zunächst auch gar nichts anfangen. Vereinfacht dargestellt handelt es sich um Benzinkraftstoff im herkömmlichen Sinne. Allerdings wird synthetisches Benzin – wie die Begrifflichkeit bereits vermuten lässt – dann auch künstlich bzw. in einem ganz speziellen Verfahren hergestellt. Vom Prinzip her nutzt man also elektrische Energie, um per Elektrolyse zunächst Wasserstoff herzustellen. Dieser Wasserstoff wird dann in einem zweiten Schritt mit Kohlendioxid zu Methanol synthetisiert.

LPG Autogas Tankstelle
LPG Autogas Tankstelle

In einem letzten katalytischen Schritt wird daraus dann Benzin gewonnen. Bei diesem Prozess fällt dann auch noch etwas LPG (Liquid-Power-Gas) an, dass ebenfalls wieder als Treibstoff verwendet werden kann.

Fassen wir also kurz zusammen: Wenn wir also viel Strom übrighätten (was ja eigentlich schon der Fall ist) und dann auch noch das extrem schädliche und klimaschädliche CO² – was ja auch in rauen Mengen und eher viel zu viel vorhanden ist – in diesen Prozess zusammenführen, können wir Benzintreibstoff und sogar LPG (Autogas) herstellen. Das klingt doch alles fast unglaublich, oder? Wie immer so allerdings auch hier: Dort wo Licht ist meist auch Schatten. Die CAC (Chemieanlagenbau Chemnitz GmbH) erstellt derzeit auch ca. 16 kWh Strom gut 1 Liter Benzintreibstoff. Rechnet man dies realistisch in einen Vergleich zwischen Elektrofahrzeug und Benziner um, dann liegt das Verhältnis bei ca. 1:5. Ein Verbrenner mit synthetisch hergestellten Benzin hat einen gut 5-fachen Verbrauch gegenüber einem vergleichbaren Elektrowagen.

Fazit

Trotz dieses verschobenen Verbrauchsverhältnisses bringt die Verwendung von synthetischen Benzin jedoch auch gleich mehrere Vorteile. Zum einen kann die gesamt derzeit aktive Benzinerflotte über synthetisches Benzin einen extrem positiven Dekarbonisierungsprozess einleiten. Bei der Herstellung könnten Massen an CO² sinnvoll eingesetzt werden, ohne es beispielsweise in der Nordsee „ungenutzt“ in tiefere Bodenschichten zu verpressen. Zudem können die hohen (und künftig extrem zunehmenden) Stromspitzen hierzu ebenfalls sinnvoll genutzt werden. Das beim Herstellungsprozess anfallende Flüssiggas (LPG) kann zusätzlich dem dafür ausgelegten Fahrzeugpool angeboten werden. Als Übergangslösung daher also mehr als Interessant, oder wie sehen Sie dieses Thema?

Autor: Volkmar Großwendt [vg]